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Vattenfall täuscht die Bevölkerung

Vattenfall täuscht die Bevölkerung

Interview mit dem Klima-Experten Karsten Smid

greenpeaceA[greenpeace.de-17.06.10] Mit der Protesttour Zeitbombe CO2-Endlager ist Greenpeace vom 15. bis 27. Juni 2010 in Brandenburg und Berlin unterwegs, um die Menschen vor den Risiken der CO2-Verpressung zu waren. Damit unterstützt die Umweltorganisation die Bürgerinitiativen in Brandenburg in ihrem Widerstand gegen die sogenannte CCS-Technik. Im Interview erklärt Klima-Experte Karsten Smid die Hintergründe.

Greenpeace-Online: Warum ist Greenpeace gegen die CCS-Technik?

Karsten Smid: Die Ablagerung von Kohlendioxid, also von CO2, in geologischen Formationen ist eine riskante, weitgehend ungeprüfte und teure Technologie. Greenpeace kritisiert deshalb den übereilten, großtechnischen Einstieg in die kommerzielle Endlagerung von CO2. Eine nachhaltige Lösung zur CO2-Reduktion sieht anders aus: Statt an der Stromerzeugung durch Braunkohle auf Teufel komm raus festzuhalten, sollte Vattenfall lieber in Erneuerbare Energien investieren.

Greenpeace-Online: Warum ist Greenpeace in der Lausitz unterwegs?

Karsten Smid: Im Oderbruch will der Energiekonzern Vattenfall vollendete Tatsachen schaffen. Millionen Tonnen von Kohlendioxid aus dem Kraftwerk Jänschwalde sollen unter den Orten Neutrebbin und Beeskow in den Untergrund verpresst werden. Dem Konzern ist daran gelegen, möglichst schnell und ohne große Diskussionen in die Endlagerung von CO2 einzusteigen, ohne allzu hohe Auflagen der Behörden. Das wollen wir nicht hinnehmen.

Greenpeace-Online: Was können die Menschen gegen CO2-Endlager tun?

Karsten Smid: Sie sollten sich als Erstes informieren, deshalb ist Greenpeace auch im Oderbruch unterwegs, um von unabhängiger kritischer Seite über die Risiken aufzuklären. Der Protest an den geplanten Endlager-Standorten spielt eine wichtige Rolle in der Auseinandersetzung. Die Projekte lassen sich nur durchsetzen, wenn sie vor Ort akzeptiert werden. Auch die Pläne für die CO2-Verpressung in Schleswig-Holstein sind am Widerstand der betroffenen Anwohner gescheitert. Und natürlich kann jeder Einzelne auch seinen Energieversorger wechseln, hin zu einem ökologischen Stromanbieter.

Greenpeace-Online: Warum ist Vattenfall so sehr an der CO2-Verpressung interessiert?

Karsten Smid: Der Konzern klammert sich an die Stromerzeugung mit dreckiger Braunkohle. Damit verdient er schließlich sein Geld. In Zukunft führt aber kein Weg daran vorbei, die immens hohen CO2-Emissionen drastisch zu reduzieren. Deshalb propagiert der Konzern die CCS-Technik als angebliche Lösung. Doch die Technik ist weder vollkommen CO2-frei, noch so harmlos, wie Vattenfall uns glauben machen will. Vattenfall verleugnet bestehende Unsicherheiten, spielt die Risiken herunter und täuscht dabei die Bevölkerung vor Ort.

Greenpeace-Online: Was sind das für Risiken?

Karsten Smid: Zum Ersten gibt Vattenfall in seinen Hochglanzbroschüren maßlos überhöhte Ablagerkapazitäten an. Und ob das CO2 dort überhaupt sicher endgelagert werden kann, weiß heute noch kein Mensch. Zweitens will Vattenfall gerade mal 30 Jahre nach Schließung des Endlagers für mögliche Folgeschäden durch Lecks haften. Das CO2 muss aber für mindestens 10.000 Jahre sicher im Untergrund eingeschlossen bleiben. Vattenfall will sich so aus seiner langfristigen Verantwortung stehlen.

Greenpeace-Online: Lässt sich das konkret belegen?

Karsten Smid: Ja, selbstverständlich. Vattenfall selbst sind die Risiken von Lecks bekannt, aber in der Öffentlichkeit werden diese geleugnet. Und schlimmer noch: Uns ist gerade ein Briefentwurf an die EU-Kommission zugespielt worden. Der stammt von der Zero emission platform (Zep), einem Zusammenschluss der Industrie zur Durchsetzung der CCS-Technik, in der Vattenfall eine treibende Kraft ist.

In dem Brief versuchen die Lobbyisten, die Pläne der EU-Kommission zu Haftungsauflagen bei CO2-Endlagern zu verwässern. Darin heißt es: “ZEP ist schwer besorgt darüber, dass sich das Ausmaß der theoretischen Haftung als eine signifikante Hürde für CCS-Projekte und die weitere Entwicklung der CCS-Technik herausstellt.” Vor allem sind die Energiekonzerne nicht bereit, das finanzielle Risiko bei möglichen Lecks zu übernehmen. Das soll auf die Gesellschaft, auf den Steuerzahler, abgeschoben werden. All diese Manipulationen machen die potentiellen CO2-Endlager zu geologischen Zeitbomben.

Das Interview führte Julia Koch.

Quelle Pressemeldung: [greenpeace.de-17.06.10]

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